Abrechnung nach GOÄ-Ziffer 1 oder GOÄ-Ziffer 2?

Oft stellt sich die Frage nach der Abgrenzung der Abrechnungsfähigkeit der GOÄ-Ziffer
1 (Beratung - auch mittels Fernsprecher)
gegenüber der GOÄ-Ziffer
2 (Ausstellung von Wiederholungsrezepten u/o Übermittlung von Befunden der Ärztliche Anordnungen...).
Während die Abrechnung einer Beratung nach Ziffer 1 zwingend das direkte Gespräch zwischen Arzt und Patient erfordert, wird eine Beratung ohne direktes Gespräch zwischen Arzt und Patient, wie z.B. die Ãœbermittlung von Befunden durch die Arzthelferin, ausschließlich über die Ziffer 2 abgerechnet.

Die unmittelbare Beratung:
Da verschiedene Kommentare den Begriff der unmittelbaren Beratung nicht näher erläutern, entstehen teilweise Abgrenzungsprobleme. Eine mittelbare Beratung liegt vor, wenn der Arzt nicht direkt den Patienten berät, sondern ein Gespräch mit einer berechtigten Bezugsperson des Patienten erfolgt: Mutter Kinderarzt.

Die Abgrenzung der, ausschließlich vom Arzt zu erbringenden, Leistung nach der Ziffer 1 von der Leistung nach der Ziffer 2, die auch von der Arzthelferin erbracht werden kann, bereitet teilweise Schwierigkeiten.

Die GOÄ-Ziffer 1 beschreibt die Beratung, auch mittels Fernsprecher. Es handelt sich hierbei um eine Leistung, die bei fast jedem Arzt-Patienten-Kontakt anfällt, so dass die Ziffer 1 zu den am häufigsten berechneten Gebührenpositionen zählt.

Inhaltlich ist der Begriff "Beratung" in der Gebührenordnung umfassend und schließt folgende Teilleistungen ein:
Anhören von Beschwerden des Patienten bzw. gezielte Befragung nach den Beschwerden.
Aufnahme der Krankenvorgeschichte (Anamnese), soweit nicht hierfür gesondert berechnungsfähige Anamneseleistungen vorgesehen sind.
Erteilung von Auskünften, wie Aufklärung, Information, Belehrung ect.
Besprechung von Verhaltensmaßnahmen.
Beantwortung von spezifischen Fragen des Patienten.
Erläuterung der beabsichtigten diagnostischen und/oder therapeutischen Maßnahmen.
Ausstellung von Verordnungen oder Überweisungen, in Zusammenhang mit anderen Teilleistungen der Beratung nach Ziffer 1.

Die einzelne Beratungsleistung kann auf unterschiedliche Weise aus den genannten Teilleistungen zusammengesetzt sein. Zum Mindestumfang der Beratungsleistung gehört in der Regel die Aufnahme der aktuellen Beschwerden sowie die Mitteilung der therapeutischen Maßnahmen (vgl. Brück u. a., 2003: Kommentar zur GOÄ, Deutscher Ärzte-Verlag, Köln).

Da eine Beratung bei annähernd jedem Arzt-Patienten-Kontakt erbracht wird, kann diese Ziffer nach den Vorgaben des Verordnungsgebers nur in bestimmten Zeitabständen berechnet werden. So ist diese Ziffer neben Leistungen nach den Abschnitten C bis O (GOÄ-Nr. 200 ff.) im Rahmen einer Sitzung innerhalb eines Behandlungsfalles nur einmal berechnungsfähig, wobei als Behandlungsfall für die Behandlung derselben Erkrankung der Zeitraum eines Monats nach der jeweils ersten Inanspruchnahme des Arztes gilt (Allgemeine Bestimmungen Nr. 1 und Nr. 2 zu Abschnitt B GOÄ). Wird die Ziffer 1 jedoch nur als alleinige Leistung oder zusammen mit einer Untersuchung des Abschnitts B GOÄ erbracht und nicht mit weiteren Gebührenpositionen kombiniert, ist auch eine mehrfache Abrechnung innerhalb eines Monats möglich.
Weiterhin ist zu beachten, dass die Beratung zu den ärztlichen Kernleistungen zählt, so dass eine Delegation an die Arzthelferin nicht in Betracht kommt. Der Ansatz der Beratungsziffer 1 setzt somit immer das direkte Gespräch zwischen Arzt und Patient voraus.
Kann im Einzelfall die Erstellung eines Wiederholungsrezeptes, die Messung von Blutdruck oder Temperatur sowie die Übermittlung von Befunden oder ärztlichen Anordnungen durch die Arzthelferin erfolgen, ohne dass ein direkter Kontakt zwischen Arzt und Patient erforderlich wird, so ist in der GOÄ hierfür die Abrechnung der Ziffer 2 vorgesehen.
Schließlich ist zu berücksichtigen, dass Terminvereinbarungen nicht gesondert berechnungsfähig sind, sofern nicht gleichzeitig weitere Leistungen im Sinne der GOÄ-Nr. 1 oder 2 erbracht werden (Allgemeine Bestimmungen Nr. 7 zu Abschnitt B GOÄ).

Quelle: Landesärztekammer Baden-Württemberg